Jahreskreisfest „Lughnasad“

Die Ähren sind reif und mit ihnen sind auch wir hin zur Reife gewachsen, doch die Ernte gehört noch gesichert vor Unwetter. Die Nächte werden wieder länger und der erste Rückgang der Wachstumsenergie in der Natur wird spürbar. Diese kleinen Schritte des Rückzugs braucht es, um zur vollen Reife zu kommen, zu ernten, haltbar zu machen und zu bewahren. Die Pflanzen geben nun all ihre Energie in das, was von ihnen übrig bleiben wird, ihre Früchte und Saat. Liebevoll mit Wärme und Geduld reifen die Früchte heran. Für uns ist es Zeit für ein erstes Reflektieren und Innehalten über die Ereignisse dieses Jahres.

Das Schnitterfest ist das erste Erntedankfest im Jahresreigen, welches im zunehmenden Halbmond als Feuerfest gefeiert wird und gegenüberliegend dem Wasserfest Imbolc ist, welches das Wintereis zur Schmelze bringt und Saft in die Bäume jagt. Lughnasad, auch bekannt als Schnitterfest, Kornernte, Augustfeuer, Bilwiss und Lammas. Letzteres kommt von dem Wort „Loafmass“, was Brotlaib bedeutet und auf den wichtigen Ritus des Backen des ersten Brotes hinweist. Als Fest des ersten Kornschnitts und Fest des ersten Brotes, wurde zu Lughnasad mit Feuer, Tanz und gutem Essen Mutter Erde gedankt, jedoch nicht mehr so ausgelassen, wie zu Beltane oder Litha. Mit Brot, Apfelsaft und Wein wurde das Korn gefeiert. Es ist die Vorbereitung auf die dunkle Zeit, dem Trocknen und Einmachen von Kräutern und Speisen.

Der Monat August hatte früher noch Namen wie, Aranmanoth, Ernting, Sichelmond oder Erntemond, denn spätestens jetzt war die Kornernte. Ab 15. August zum „Hohe Frauentag“ begann die Hauptsammelzeit der Kräuter und Wurzeln bis zum 8. September, da diese in jenem Zeitraum die dreifache Wirkkraft hätten. Wie zu Litha werden auch zur Kräuterweihe am „Hohe Frauentag“ Kräuterbuschen gebunden und geweiht, dieser trug den Namen „Frauendreißiger“ und war zu Ehren der Göttin Freya.

Mythologie & Geschichte

„Zu Lughnasad beginnt der gehörnte Gott, oder auch Sonnengott an Kraft zu verlieren, um im Herbst dann zu sterben. Mutter Erde gibt all ihre Kraft an ihre Früchte und Saat.“

In der neolithischen Zeit war es die „klagende Kornmutter“ deren Kinder der Sichel zum Opfer fielen. Ihr Gemahl der Sonnengott, offenbarte sich in Sommerglut & Trockenheit, der alles zur Reife & Vollendung brachte. Bei den Kelten hieß die Augustzeit „Lugudum“. Lug ist der der leuchtende, segenbringende Sonnengott der Sohn Eriu´s, der Mutter Erde. Lughnasad war somit bei den Kelten das Fest zu Ehren Lughs und seiner Mutter Erius, welches auf 3500 Jahre zurückgeht. In Gallien wurde „Lugus“, der Erfinder aller Künste, auch der Heilkünste gefeiert, wie auch in Irland „Lug Samildanach“, der Meister aller Künste und in Wales hieß er „Lleew Llaw Gyffes“ – Löwe mit der sicheren Hand.

Bei den Germanen war es der kluge, feurige Lodur/ Loki, der die goldglänzenden Haare (Ähren) der Göttin „Sif“ schnitt, welche ihr von den Zwergen schließlich aus purem Gold ersetzt wurden. „Sif“ stand für das Kornfeld, das Getreide war das Haar der Erdenmutter. Sie selbst unterwies die Menschen in der Kunst des Ackerbau´s und beschert uns immer noch Nahrung und Wohlergehen. Zeit DANKE zu sagen! Bilwiss, war eine Priesterschaft, welche die Getreidefelder hüteten, weiße Gewänder trugen und Bilwiss-Zotteln (Dreadlocks) hatten. Von Ihnen wurden Arnika und Ebereschenzweigen ums Feld gesteckt, als Schutz und für Wachstumskraft. Sie waren es auch, welche den ersten Schnitt des Korns mit Segensworten vollzogen.

Alte Kulte sind das Backen des ersten Brotes, Feuer um für Wettersegen zu bitten und gebundene Kränze aus Getreideähren, Feldkamille und Kornblüten als Schmuck, um die Fülle des Sommers zu ehren. Der Ährenkranz wurde aus dem letzten geschnittenen Korn gebunden, in dem der Korngeist eingefangen wurde. Das „Gebildebrot“ hatte die Formen von Symbolen, wie Sonne oder Spirale. In diesem Brot gab sich Lugh hin, um die Menschen zu nähren. Bei den Angelsachsen oblag es der Herrin des Hofes, das erste Korn zu schneiden und aus diesem Mehl ein erstes Brot zu backen.

Die Kirche verwandelte das Fest des 1. Augusts in „Petri Kettenfeier“ und erinnert an Petrus der in Ketten gefangen von einem Engel befreit wurde. Luzifer, der Lichtträger, wurde am selben Tag vom Himmel gestoßen. Luzifer erinnert stark an den alten Gott „Lugh“ der Kelten. Der 15. August wurde zu „Mariä Himmelfahrt“ und „Maria Kräuterweihe“. Und vielleicht wurde auch das Brot, in dem sich Lug hingab zum Leib Christi?

Lughnasad in der Gegenwart

Zeit des Segnens
Mutter Erde zu danken für ihre Gaben und ihren Segen zu erbitten ist eine alte Praxis. Segnen ist ein Gebet, um Personen oder Dingen Anteil an göttlicher Kraft und Gnade zu geben. Die Zeit um das Schnitterfest ist eine Zeit um Segen zu erbitten für das was gerntet wird und es im Moment eben braucht, wie Glück, Schutz, Fülle o.ä. . Dies kann auf viele verschiedene Weisen geschehen, am wichtigsten dahinter ist die Intention des Herzens.

Zeit der Fülle & Erfüllung
„Sonne tanken, Wärme genießen und diese Erinnerungen in dir speichern.“

Die Reife braucht ihre Zeit und die Natur kann uns darin bestärken sich mit Geduld damit zu befassen, was wir als Früchte unseres Wirkens an unsere Umwelt weitergeben wollen. Projekte, Ziele können somit auch auf ihren Reifegrad geprüft werden. Es ist auch die Zeit in der wir eingeladen sind die Früchte und Verantwortung unseres eigenen Handelns bewusst wahrzunehmen.

Fragen zu Lughnasad könnten folgende sein:
Kann ich die Fülle, den Überfluss erkennen? Kann ich mit Beharrlichkeit und Geduld dem Reifen „zusehen“? Wie reif sind meine Früchte? Muss ich meine Frucht noch behüten und schützen? Wie sind meine Früchte? Sind es süße, bittere, giftige oder sogar ungenießbare Früchte, die aus meinem Handeln entstehen?

Räucherplanzen zu Lughnasad:
Alant, Dost, Eberraute, Mariengras, Muskatellersalbei, Rose, Wermut
Oder Wetterpflanzen: Beifuss, Johanniskraut, Rainfarn, Wetterkerze

Quellen der Inspiration: Wolf Dieter Storl (Die alte Göttin und ihre Pflanzen), Marlis Bader (Räuchern mit heimischen Kräutern), Martina Kaiser (Der Jahreskreis)