Jahreskreisfest „Jule“ & „Die Raunächte“

Das nächste Jahreskreisfest im Reigen ist JULE (Alban Arthuan, Yule, Modraniht), die Wintersonnenwende, auch genannt “die Mutternacht”. Sie ist die dunkelste Zeit im Jahr, die das Licht gebiert und die anschließend von den Raunächten beschlossen wird. Von manchen werden auch bereits die 12 Tage vor der Sonnenwende als sogenannte Sperrtage zum Beschließen des Alten zelebriert, wobei es hierzu wenige Überlieferungen gibt.

Das Julfest ist ein besinnliches, ruhiges Fest, das sich am Lauf der Sonne orientiert. Die Energie der Natur kommt nun zur Ruhe, sammelt und ordnet sich neu. Das Leben hat sich in die Dunkelheit von Mutter Erde zurückgezogen, um dort auf die Erneuerung im Frühling zu warten. Nun ist die Zeit des Loslassens vorüber und das Orakeln beginnt mit den Raunächten. Unsere VorfahrInnen, welche im Einklang mit dem Rhythmus der Erde lebten, spürten, dass diese Zeit rund um die Sonnenwende eine Zeit des Wandels war, in der die schöpferischen Kräfte am Werken waren. Die Mythen dieser geheimnisvollen Wintertage prägen uns auf einer tief verborgenen Ebene. Sie sind Bindeglied zwischen uns und unseren AhnInnen. 

Ganz besonders ist die heurige Wintersonnenwende 2020, denn sie wird von einem astronomischen Spektakel begleitet. Saturn und Jupiter gehen gemeinsam über in den Wassermann, Optimismus und Realismus treffen aufeinander und die Tragweite an Veränderung dieser planetaren Einwirkung können wir vorerst nur erahnen und – wie so vieles – vermutlich erst im Nachhinein verstehen. Sie erscheinen als EIN heller Stern am Himmel und läuten einen neuen 200 Jahrzyklus ein. Der Übergang ins Wassermannzeitalter soll dann astronomisch vollbracht sein. Dies passierte zum letzten Mal 1405 am Beginn der Renaissance und brachte große Veränderungen in sozialen, politischen und kulturellen Strukturen. Interessant ist auch zu erwähnen, dass die Große Konjunktion, die im Jahr 7 vor Christus im Sternbild Fische zu sehen war, das Himmelsphänomen gewesen sein könnte, das als Stern von Bethlehem in der Bibel erwähnt wird. 

Mythologie & Geschichte

“Die Dunkelheit besiegt das Licht, doch zugleich wird im innersten der größten Dunkelheit das neue Licht geboren und so siegt doch auch das Licht über die Dunkelheit. – Das Sonnenkind wird zu Jule unter dem Weltenbaum geboren.”

Der Name Dezember leitet sich vom lateinischen decem ab, und bedeutet der zehnte Monat (nach römischer Rechnung). Einst hieß der Dezember Julmond oder Jul, danach Christmanoth oder Heiligmond. Ursprünglich wurde die Geburt der wiederkehrenden Sonne gefeiert, welches mit Weihnachten, der Geburt Jesu im Laufe der Geschichte christianisiert wurde. Überall brachte man immergrüne Pflanzen ins Haus wie Nadelbäumchen, Efeu oder Stechpalmen. Die Kelten hängten Mistelzweige über die Türschwellen, unter denen Gesetze und Konventionen keine Gültigkeit mehr hatten.

Wagenräder, Spinnräder, Mühlräder und alle anderen Räder mussten in dieser heiligen Zeit stillstehen. Erst am Ende der zwölf heiligen Tage (Raunächt), wenn das Jahresrad sich wieder zu drehen begann, der Sonnenhirsch zum Sprung ansetzte oder der goldborstige Eber (Tier des Fruchtbarkeitsgottes Freyr) das Jahresrad wieder anstieß, durften sich die Räder wieder drehen. Ein Wildschwein wurde bei den Germanen zu Ehren Freyrs geschlachtet und verspeist, dieser Brauch schimmert noch durch in den Glücksschweinen zu Silvester. 

Der weißbärtige Alte aus dem Walde kam einst mit dem Fliegenpilz als Gabe, wie alle Geister, durch den Schornstein, um seinen Segen zu verteilen und die Tore zu öffnen für die Welt der Zwerge und AhnInnen. Der Fliegenpilz war Wotan/Odin geweiht und bei den Westslaven dem Gott Svantewit. Manche KulturforscherInnen gehen davon aus, dass dieser weißbärtige Mann – der nun als Weihnachtsmann bekannt ist – damals bei den Germanen den Schamanengott Odin verkörperte, bei den Kelten den Stechpalmenkönig und bei den Slaven Väterchen Frost. Der “Glückspilz” wurde von Nordamerika, über Nordgermanien bis Sibirien um Jule eingenommen, bei den Kelten vermutlich nicht. 

Julfeuer wurden entzündet, um die Dunkelheit zu vertreiben, die Wiedergeburt der Sonne zu feiern und die Helligkeit einzuladen. Dies wurde mit dem Julscheit genährt, welches aus Kiefer oder Tanne war. Man versammelte sich vor dem Feuer im Kampf gegen die Kälte, erzählte einander Geschichten und mit den tanzenden Flammen träumte man sich in andere Realitäten, der Geist wurde weit und wanderte durch die Landschaft der Seele.  

Der Julblock ist ein weiterer überlieferter Brauch, welcher eine aus Eichenholz umwickelte Kerze war. Er wurde gesegnet und zur späteren Verwendung als Wetterzauber aufbewahrt. Der Jahreszeitenkranz mit seinen 4 Kerzen für je eine Jahreszeit wurde gebunden und wurde später zum Adventkranz. In den immergrünen Zweigen, so glaubte man, zog sich die Vegetationsgottheit zurück und diese holte man sich mit dem Jahreszeitenkranz in die Häuser und erweckte sie mit den Kerzen zum Leben. 

Die Kekse mit den Formen aus Sonne, Mond, Sterne und Tieren waren Opferbrote und wurden als Dank an Feuer, Wasser, Wind und Erde gegeben, um so ihren Reichtum mit den Kräften und Wesen zu teilen. Natürlich naschten die Menschen selbst auch diese Kekse und nahmen so die gebackenen Energien in sich auf.

Das Julfest war eine Zeit außerhalb der Zeit, in der die ganze Sippe, die Lebenden und Verstorbenen, gemeinsam feierten, schmausten und sich berauschten mit starkem Bier und Met. Da die Tore zur Anderswelt in dieser stillstehenden Zeit weit offen sind, orakelte man in den kommenden zwölf Nächten, die jeweils zeigten, was die kommenden zwölf Monate bringen sollten. Die Raunächte und ihre Magie folgten dem Julfest. 

Jule  und die Raunächte in der Gegenwart

Kaum ein anderer Zeitpunkt im Jahr zeigt die Entfremdung des Menschen vom Rhythmus der Natur mehr, als der Advent. Während die Erde ruht, laufen die Vorbereitungen auf Weihnachten und Silvester bei den meisten in atemloser Hast. Für unsere AhnInnen war es eine Zeit des Ausruhens und des Rückzugs. Die Schleier zwischen den Welten hoben sich und enthüllten dem oder der Suchenden Geheimnisse, verborgene Kräfte und den Blick in die Zukunft. Wie wäre es heuer mit Ruhe, Stille und Rückzug? 

Denn zur Sonnenwende kommt es zu einer Bündelung der energetischen Kräfte und dies darf für unsere Menschheit und unseren Planeten genutzt werden!

Lebensverändernde Fragen und Übungen zu Jule können sein:

  • Was gehört noch in Ordnung gebracht und bereinigt? Was gehört zu Ende gebracht?
  • Was will von mir geboren werden? Was will durch mich ans Licht? Welche Hoffnung habe ich für mich und diese Welt?
  • Wofür bin ich dankbar? Wofür lebe und gehe ich?

Räucherpflanzen für Jule und die Raunächte:

Der Sonne zu Ehren räuchert man Harze und Kräuter mit der Sonnensignatur. Diese Pflanzen haben auch segnende und antidepressive Wirkung. In den Raunächten eignen sich Orakelmischungen und schützende Räucherungen.

Friede & Harmonie: Alantwurzel, Beifuß, Fichten-/ Tannenharz, Johanniskraut, Mariengras, Mistel, Myrrhe, Nelke, Rosenblätter, Weihrauch, Zimt

Orakeln: Alraunwurzel, Beifuß, Bilsenkraut, Lorbeer, Mistel, Schafgarbe

Reinigend & schützend: Bartflechte, Beifuß, Engelwurz, Eschensamen, Fichtenharz, Holunder, Lavendel, Meisterwurz, Mistel, Salbei

Quellen der Inspiration: Wolf Dieter Storl (Die alte Göttin und ihre Pflanzen), Marlis Bader (Räuchern mit heimischen Kräutern), Martina Kaiser (Der Jahreskreis), Kauderer & Mazza (Die Raunächte), Daniela Hutter (www.danielahutter.com)